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"Begleitetes Wohnen in Familien" verleiht Geborgenheit und Normalität Neues Angebot des Diakonischen Werks für den Landkreis Groß-Gerau

Lucian Lazar, Eva Seegmüller und Elke Hillen (von links) freuen sich, das neue Hilfsangebot des Diakonischen Werks Groß-Gerau/Rüsselsheim einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

Das "Begleitete Wohnen in Familien" ist ein neues Angebot des Diakonischen Werks Groß-Gerau/Rüsselsheim, bei dem Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung in eine Gastfamilie aufgenommen und langfristig betreut werden. Angesprochen sind Personen mit einer Abhängigkeitserkrankung, die bereits abstinent sind und dies auch bleiben möchten und die den Wunsch haben, in einer Familie zu leben. Eingebunden in das Alltagsleben der Familie erfahren sie Geborgenheit und Normalität.

"Diese Wohnform bietet eine Alternative zum Leben in einer stationären Einrichtung oder dem Betreuten Einzelwohnen und stellt somit eine wichtige Erweiterung des bestehenden Angebots im Kreis dar", erläutert Lucian Lazar, Leiter des regionalen Diakonischen Werks. Wie Elke Hillen, Bereichsleiterin Betreutes Wohnen beim Diakonischen Werk erklärt, wurde das "Begleitete Wohnen in Familien" schon vor einigen Jahren in Deutschland eingeführt. "Insbesondere in Süddeutschland und Nordrhein-Westfalen wird das Modell erfolgreich praktiziert", stellt sie fest.

Grundsätzlich können alle, die gerne bereit sind, einen Menschen in ihr Familienleben einzubeziehen, Familiefür das Begleitete Wohnen werden. "Dies können neben Familien im klassischen Sinne auch Paare und Einzelpersonen sein, die im Kreis Groß-Gerau leben", führt Elke Hillen aus. Die Voraussetzung ist allerdings, dass dem Klienten ein eigenes Zimmer zur Verfügung gestellt wird. Durch ein solches Engagement bietet sich den Gastfamilien ein verantwortungsvolles und sinnstiftendes Betätigungsfeld, dem zu Hause nachgegangen werden kann. Zudem wird der Einsatz auch entsprechend entlohnt: "Die Gastfamilie erhält ein monatliches Entgelt für die Betreuung; Wohn- und Verpflegungskosten werden zusätzlich vergütet", so Lucian Lazar zu den Konditionen.

Kostenträger für das "Begleitete Wohnen in Familien" ist der Landeswohlfahrtsverband Hessen, allerdings erst ab dem Zeitpunkt, zu dem ein Klient in die Familie eingezogen ist. Insgesamt sechs Plätze sind genehmigt. Die Kosten für sämtliche Vorarbeiten trägt das regionale Diakonische Werk. Als Anschubfinanzierung für das erste Jahr hat die Aktion Mensch einen Zuschuss bewilligt. Zu Anfang wird es hauptsächlich um den Projektaufbau und die Familienakquise gehen. "Der Bedarf ist da", weiß Eva Seegmüller vom Fachdienst für "Begleitetes Wohnen in Familien" beim Diakonischen Werk. "Bisher bestand dieses Angebot für Erwachsene mit einer Abhängigkeitserkrankung hier in unserer Region noch nicht", so Eva Seegmüller. "Es handelt sich um eine geeignete Eingliederungsmaßnahme für die Personengruppe mit seelischen Behinderungen nach § 53 SGB XII".

Interessierte Familien können sich an den Fachdienst des Diakonischen Werks Groß-Gerau/Rüsselsheim wenden, wo sie ausführlich über das "Begleitete Wohnen in Familien" informiert werden. Dem Entschluss, Gastfamilie zu werden folgt ein Hausbesuch, um die Wohnsituation kennenzulernen. Je nach Bedürfnissen und Erwartungen des jeweiligen Klienten sucht der Fachdienst eine "passende" Familie aus. Verlaufen das Kennenlernen sowie ein anschließendes Probewohnen positiv, steht einem dauerhaften Einzug des Klienten bei seiner Gastfamilie nichts mehr im Wege.

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Die Tafel ist kein Supermarkt! Ehrenamtliche ziehen Bilanz

Die Vier von der Riedstädter Tafel: Gertrud Walther, Anita Held, Sigrid Klee und Heinz Rödig (von links) sind Ehrenamtliche der ersten Stunde. Foto: Diakonie

Seit fünf Jahren erhalten an der Ausgabestelle Riedstadt der Groß-Gerauer Tafel Woche für Woche rund 270 Menschen Lebensmittel. Für Gertrud Walther, Anita Held, Sigrid Klee und Heinz Rödig ist das kein Grund zum Feiern. „Es ist schlimm, dass so eine Einrichtung hier notwendig ist“, sind sich die Gründungsmitglieder der örtlichen Tafel einig. Allesamt Rentner, kommen die vier freiwillig Engagierten aus allen Teilen Riedstadts. Anfang 2007 waren sie einem Aufruf der VdK-Ortsvorsitzenden Sigrid Wilhelm gefolgt, die den Bedarf erkannt hatte. Die Trägerschaft für die Tafel übernahm bald darauf das regionale Diakonische Werk. „Wir danken den ehrenamtlichen Kräften und allen Unterstützern der Tafel für ihren kontinuierlichen Einsatz“, so Lucian Lazar, Leiter des Diakonischen Werks.

„Die Tafelhelfer pflegen ein sehr kollegiales Verhältnis untereinander“, lobt Sigrid Klee die angenehme Atmosphäre im Team. „Diejenigen, die die Lebensmittelsortierung für Drecksarbeit halten, sind ohnehin nicht mehr dabei“, schmunzelt sie. „Und im Umgang mit den Besuchern entwickelt man mit der Zeit ein gewisses Fingerspitzengefühl“, ist sie überzeugt.  „Natürlich ist der Kontakt zu den Tafelkunden manchmal problematisch“, gibt Gertrud Walther zu. So sei es nicht immer einfach, die Ware so einzuteilen, dass für alle etwas übrig bleibt. Das gelte insbesondere, wenn es um die Verteilung bestimmter Fleischsorten, Geflügel und Fisch gehe. „Ab und zu müssen wir schon darauf hinweisen, dass die Tafel kein Supermarkt ist“, stellt Heinz Rödig klar.

Die insgesamt 30 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sind in den Bereichen Fahrdienst, Sortierung und Ausgabe aktiv. Neuzugänge sind den Freiwilligen stets willkommen. Der Fahrdienst ist von Montagmorgen bis Mittwochmittag im Einsatz und fährt Spendermärkte und Landwirte im Südkreis ab. Die gesammelten Lebensmittel werden in der Tafel sortiert und für die Ausgabe vorbereitet, bevor sie dann verteilt werden. Die Auswahl und Menge der gespendeten Lebensmittel sind jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen. So steigt zur Erntezeit das Angebot an Obst und Gemüse an, während in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten die Spenden insgesamt zurückgehen. „Wir bekommen momentan sowohl weniger Lebensmittel als auch Geldspenden“, stellt Heinz Rödig fest. „Aber vielleicht liegt das auch daran, dass die Tafel nach fünf Jahren nicht mehr so im öffentlichen Interesse steht wie zu Anfang“.

Auch wenn ihnen ihre Arbeit im Dienste der Tafel in Riedstadt viel Freude bereitet, so stellen die Ehrenamtlichen doch einhellig eine zunehmende Verarmung im Einzugsbereich fest. „Es ist erschütternd zu sehen, dass immer mehr junge Leute, gerade Alleinerziehende, hier in der Region von Armut betroffen sind“, sagt Anita Held. „Ich war anfangs ganz erschrocken, als ich gemerkt habe, wie viele Menschen direkt vor meiner Haustür nicht genug zu Essen haben“, gibt Gertrud Walther offen zu. „Im Laufe der Zeit baut man ja intensivere Kontakte zu manchen Leuten auf“, wirft Sigrid Klee ein. „Das kann einem schon an die Nieren gehen, diese Schicksale über die Jahre hin zu verfolgen“.

Klaus Engelberty sieht in diesem freiwilligen Engagement „ein klassisches Beispiel von Bürgerbeteiligung“. Der Leiter des Groß-Gerauer Beratungszentrums ist verantwortlich für die Tafeln im Landkreis, die sich in der Trägerschaft des Diakonischen Werks befinden. Derzeit sind dies zwei Tafeln mit insgesamt fünf Ausgabestellen in Bischofsheim, Crumstadt, Ginsheim, Gustavsburg und Groß-Gerau. Bei aller Anerkennung der Leistungen der Ehrenamtlichen, die die Tafel in Riedstadt am Laufen halten wird er jedoch nicht müde daran zu erinnern, „dass es sich bei der Lebensmittelausgabe nur um ein Angebot handelt, das die Armut zwar punktuell lindern aber letztendlich nicht verhindern kann“. Lucian Lazar nennt es sogar „skandalös, wenn unser Sozialsystem auf die Existenz von Tafeln baut, um Menschen in schwierigen finanziellen Lebenssituationen zu entlasten“.

Aktuell werden an der Tafel-Ausgabestelle in der Friedrich-Ebert-Straße 91 in Crumstadt jede Woche mittwochs von 15 bis 17:30 Uhr rund 90 Haushalte mit Lebensmitteln versorgt. Jede Familie zahlt den symbolischen Betrag von zwei Euro pro Einkauf. Zum Einzugsgebiet gehören neben Riedstadt auch Biebesheim, Gernsheim und Stockstadt. „Wir sind sehr froh über die gute Kooperation mit der Stadt Riedstadt, die uns das ehemalige Asylbewerberheim am Sportplatz mietfrei zur Verfügung stellt“, sagt Lucian Lazar. So muss das Diakonische Werk nur für die Nebenkosten aufkommen. Unterstützung gab es auch vom regionalen Energieversorgungsunternehmen. Das Überlandwerk Groß-Gerau installierte nicht nur eine Solaranlage auf dem Dach, sondern stellte auch einen Kühlanhänger zur Verfügung. Um die relativ hohen Energiekosten zu reduzieren, werden nun aus Spendenmitteln zwei neue, energiesparende Kühlschränke angeschafft. Die schenkt sich die Tafel selbst zum Geburtstag.

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Wichtige Kooperation: Familienpaten im Kreis Groß-Gerau

Stellten das Modellprojekt vor (von links): Ulrike Cramer (Kreis Groß-Gerau), Lucian Lazar und Karin Schimetschka (Diakonisches Werk), Karoline Kreß-Klausmann und Siegfried Schwaab (Sozialpsychiatrischer Verein) sowie Katharina Etteldorf (Kreis Groß-Gerau). Foto: Kreis Groß-Gerau

Dass das Leben mit kleinen Kindern nicht immer einfach ist, weiß jeder, der selbst Nachwuchs oder Kontakt zu jungen Familien hat. Wer in dieser Situation nicht auf die Unterstützung von Eltern, Großeltern oder Freunden zurückgreifen kann, dem droht irgendwann alles über den Kopf zu wachsen, was häufig zu Lasten der Kleinen geschieht. Mit dem Bundeskinderschutzgesetz, das Anfang nächsten Jahres in Kraft treten wird, sollen Kinder künftig besser vor Vernachlässigung geschützt werden. Die in dem Gesetz geforderten frühen Hilfen und verlässlichen Netzwerke baut der Kreis Groß-Gerau bereits seit mehreren Jahren auf.

Der neueste Baustein in diesem Netzwerk wurde nun im Landratsamt vorgestellt: Am 1. September 2011 gründeten das Diakonische Werk Groß-Gerau/Rüsselsheim und der Sozialpsychiatrische Verein Kreis Groß-Gerau e. V. gemeinsam das Modellprojekt "Familienpaten", das vom Kreis Groß-Gerau als sinnvolle Ergänzung zu den frühen Hilfen im Kreis begrüßt und unterstützt wird. Das Angebot möchte Eltern in schwierigen sozialen Lebenslagen Unterstützung zur Verbesserung der Gesundheit und sozialen Entwicklung ihrer Kinder bieten, indem diese Familien von fachkundigen ehrenamtlichen "Familienpaten" begleitet werden.

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